| Konzept Regenbogenschule Regelschule |
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R E G E N B O G E N L E B E N S S C H U L E Konzeption zur schrittweisen Erweiterung der Freien Schule Regenbogen um den Sekundarbereich I
“Nur durch unmittelbare Interaktion mit seiner Welt werden die inneren Strukturen des Kindes so aktiviert, werden die inneren Verbindungen so zuverlässig und weitläufig, dass der junge Organismus zur wirklichen Reife seines Denkens gelangt und zur gegebenen Zeit mit jeglichem Wissensstoff umgehen kann. Wird solche Reife erreicht, wird es ihm auch gelingen, Spezialisierungen zu sprengen und verblüffende Lösungen für seine Probleme zu finden. Welches Wissen wird ihnen aber nützlich sein, wenn sie als Erwachsene im nächsten Jahrtausend leben werden ? Wenn wir Erziehung nicht als Übertragung von Wissen ver-stehen, sondern als Ermöglichung von Situationen, in denen innere Verständnisstrukturen in größtmöglicher Tiefe, Weite und Verzweigung entstehen können, um einmal alle Arten von Kenntnissen aufzunehmen, brauchen wir uns um die Zukunft unserer Kinder nicht zu sorgen.” Rebeca Wild Inhalt 2.1. Das Allgemeine und Grundlegende 2.2. Die Notwendigkeit einer neuen Pädagogik 2.3. Schlussfolgerungen für das Lernen 2.4. Die sich daraus ergebenden Bildungsziele 3. Die charakteristischen Besonderheiten unserer Schule 3.1. Lernen in realen Lebenszusammenhängen 3.3. Berufsorientierung in der Schule – Berufliche Fähigkeiten und Berufung 3.4. Das gemeinsame Leben und Lernen 4.2. Leistungsanalyse und Leistungsbewertung Auf den folgenden Seiten stellen wir, die Freie Schule Regenbogen, unser Er-weiterungskonzept vor, auf dessen Grundlage wir schrittweise die bestehende Schule im Primarbereich bis zur Klassenstufe 10, also den Sekundarbereich I, erweitern wollen. Die Sekundarstufe soll dabei eine integrative Regelschule in Form einer Ganztagsschule sein. In dieser Schulform möchten wir neue Wege für die Sekundarstufe gehen. Dabei knüpfen wir sowohl an unsere Erfahrungen in der Grund-stufe als auch an die Erfahrungen ähnlicher pädagogischer Einrichtungen, die bereits im Sekundarstufenbereich arbeiten, wie z.B. die "Freie Schule Prinz-Höfte'' an. Die pädagogische Grundlage für diese Erweiterung ist das genehmigte Konzept der "Freien Schule Regenbogen". Seit über 10 Jahren arbeitet die Freie Schule Regenbogen im Grundschul-bereich und die Erfahrungen, die wir – sowohl Kinder als auch Erwachsene – dabei machen konnten und können, sind überaus vielschichtig und komplex. Wir können sagen, dass das, was wir täglich erleben, unseren Erwartungen und den Erfahrungen anderer Freier Alternativschulen entspricht und uns immer wieder bestätigt: Das Vertrauen auf den inneren Lehrplan eines Jeden, und das damit verbundene selbstbestimmte Lernen mündet in die Entwicklung selbstbewusster, wissbegieriger und starker Persönlichkeiten. Wir haben mit der Grundschule einen familiären Lebens- und Lernraum geschaffen, in dem sich die Kinder nach ihren persönlichen Entwicklungs-bedürfnissen entfalten und aus eigenem Antrieb lernen können. Dabei vertrauen wir auf die natürliche Neugierde und den inneren Lehrplan der Kinder. Das eröffnet ihnen die Chance, ihren eigenen Lernrhythmus zu finden. Die Kinder wissen sehr genau, was sie wann lernen wollen und so erkennen und entdecken sie durch ihre täglichen Aktivitäten selbst, wie sie am besten lernen können und was sie dafür brauchen. Dabei werden sie von den Bezugspersonen individuell beraten, begleitet und unterstützt und darin ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen. Es geht uns dabei weniger um pure “Lernstoffaneignung” als vielmehr um “Weisheit fürs Leben”. Darunter verstehen wir das Wissen, wie man Probleme jedweder Art annehmen und bewältigen kann. So lernen unsere Kinder neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen auch, ihre Meinung und ihre Gefühle zu artikulieren, was ihnen in Konfliktsituationen bei der Entwicklung eigener, konstruktiver Lösungen hilft. Die Kinder entwickeln sich so zu selbstbewussten Persönlichkeiten mit sozialen Kompetenzen, die ihre Stärken und Schwächen kennen und wissen, was sie wollen. Natürlich hören die individuellen Entwicklungsbedürfnisse nicht mit dem Abschluss der Grundschulzeit auf und besonders mit der Jugend kommt eine Lebensphase, in der Individualität und die Beschäftigung mit der eigenen Person noch mehr im Vordergrund stehen. Bildung verfolgt seit jeher das Ziel Mündigkeit, Selbstverantwortlichkeit und Reflexionsvermögen der Menschen zu fördern, was gerade in der heutigen Zeit mit ihren neuen Anforderungen und den sich ständig ändernden Lebenswelten, die sich in immer unsichereren Zukunftschancen für die Jugendlichen ausdrücken, immer wichtiger wird. Unser Anliegen ist es deshalb, diesen besonderen Entwicklungsbedürfnissen Rechnung zu tragen und eine Schule zu schaffen, die der Entfaltung des individuellen Potenzials an Fähig- und Fertigkeiten sowie der gesamtheitlichen Entfaltung der Persönlichkeit einen großen Raum lässt und sich damit an den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen orientiert. Diese Schule wird ein Ort des gelebten Miteinanders von Schülern, Bezugspersonen und Eltern sein, der mit außerschulischen Bereichen vernetzt und offen für internationale Kontakte ist. Dabei decken sich unsere Vorstellungen über ein zukünftiges Bildungssystem weitgehend mit denen, die der "Sachverständigenrat Bildung" der Hans Böckler ‑Stiftung wie folgt formuliert: "Das Menschen ‑ und Gesellschaftsbild dieses Bildungssystems geht von einer größeren Autonomie der einzelnen Menschen bei der Nutzung von Bildungschancen aus: selbst gewähltes und eigenverantwortlich bestimmtes Lernen ist häufig effizienter und motivierender, als fremdbestimmte Lernprozesse. Das Bildungssystem wird damit zum einen dem Anspruch gerecht, den selbst verantwortlichen und mündigen Menschen als Subjekt anzunehmen und anzuerkennen. Er trägt zum anderen aber auch dem Umstand Rechnung, dass in Zeiten rapiden Wandels kaum ein Kanon an Wissen und Kenntnissen mit dem Anspruch vorgegeben werden kann, sein Erwerb reiche für ein Berufs‑ und Arbeitsleben aus. Zentrale Planungs- und Verordnungssysteme haben sich gegenüber den realen Veränderungen in den Berufsanforderungen als zu schwerfällig und inflexibel erwiesen. Sie vermitteln zudem den Eindruck von Gewissheit und Sicherheit, den sie nicht einlösen können. Die Individuen tragen deshalb in Zukunft eine größere Verantwortung für die Erreichung einer den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen der Gesellschaft angemessenen Bildung in den jeweiligen Lebensabschnitten.”[1] Wir möchten uns mit unserem Sekundarstufenkonzept an der Suche nach neuen Strukturen im Bildungssystem beteiligen, die sowohl den Anforderungen Rechnung tragen, die sich an die Jugendlichen stellen, als auch der sich abzeichnenden gesellschaftlichen Entwicklungen. 2.1. Das Allgemeine und Grundlegende “Das Leben wird nur durch das Leben vorbereitet.” Célestin Freinet[2] “Um sich zu bilden, genügt es nicht, dass das Kind jeden Stoff in sich hineinfrisst, den man ihm mehr oder weniger spannend serviert: es muss selbst handeln, selbst schöpferisch sein. Und es muss vor allem in einer angemessenen Umgebung leben können,… Leben, so intensiv wie möglich zu leben, liegt nicht darin letztlich das Ziel all unserer Anstrengungen? Und die Fähigkeit zum Leben so gut wie es nur irgend geht zu entwickeln, sollte das nicht die Aufgabe der Schule sein?”[3] Wir wollen mit der Sekundarstufe I eine “Lebensschule” schaffen, in der ein respektvolles Miteinander und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur Lebenswirklichkeit ist und eine Schule, die durch die Interessen und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen gestaltet wird. Dabei ist diese Schule nicht nur ein Ort des Lernens und Erfahrens, sondern auch und vor allem ein Ort des Seins, in dem Jeder die Folgen des eigenen Handelns erkennen und tragen lernen kann, in dem Fehler willkommen sind, weil gerade sie Lernanlässe schaffen, und ein Raum, in dem Gefühle und Bedürfnisse als Ausdruck von Lebendigkeit und Selbstausdruck ihren Platz haben. Es ist ein Lebensraum, der eine ganzheitliche Entwicklung Aller in begleiteter Selbstregulation ermöglicht. Unsere pädagogische Verantwortung und Aufgabe verstehen wir dabei im Sinne des Sokratischen Eides von Hartmut von Hentig[4]: Als Lehrer und Erzieher verpflichte ich mich, nach bestem Wissen und Können und in der Kenntnis der eigenen Grenzen - die Eigenheit eines jeden Kindes zu achten und gegen jedermann zu verteidigen, - für seine körperliche und seelische Unversehrtheit einzustehen, - auf seine Regung zu achten, ihm zuzuhören, es ernst zu nehmen, - zu allem, was ich seiner Person antue, seine Zustimmung zu suchen, wie ich es bei einem Erwachsenen täte, - das Gesetz seiner Entwicklung, soweit es erkennbar ist, zum Guten auszulegen und dem Kind zu ermöglichen, dieses Gesetz anzu-nehmen, - seine Anlagen herauszufordern und zu fördern, - seine Schwächen zu schützen, ihm bei der Überwindung von Angst und Schuld, Bosheit und Lüge, Zweifel und Misstrauen, Wehleidigkeit und Selbstsucht beizustehen, wo es das braucht, - seinen Willen nicht zu brechen - auch nicht, wo er unsinnig erscheint, ihm vielmehr dabei zu helfen, seinen Willen in die Herrschaft seiner Vernunft zu nehmen, - es also den mündigen Verstandesgebrauch zu lehren und die Kunst der Verständigung und des Verstehens, - es bereit zu machen, Verantwortung in der Gemeinschaft zu übernehmen und für diese, - es auf die Welt einzulassen, wie sie ist, ohne es der Welt zu unterwerfen, wie sie ist, - es erfahren zu lassen, was und wie das gemeinte gute Leben ist, - ihm eine Vision von der besseren Welt zu geben und Zuversicht, dass sie erreichbar ist, - es Wahrhaftigkeit zu lehren, nicht die Wahrheit, denn “die ist bei Gott allein”. Damit verpflichte ich mich, - so gut ich kann, selbst vorzuleben, wie man mit den Schwierig-keiten, den Anfechtungen und Chancen unserer Welt und mit den eigenen begrenzten Gaben, mit der eigenen immer gegebenen Schuld zurechtkommt, - nach meinen Kräften dafür zu sorgen, dass die kommende Generation eine Welt vorfindet, in der es sich zu leben lohnt und in der die ererbten Lasten und Schwierigkeiten nicht Ideen, Hoffnungen und Kräfte erdrücken, - meine Überzeugungen und Taten öffentlich zu begründen, mich der Kritik - insbesondere der Betroffenen und Sachkundigen – auszu-setzen, meine Urteile gewissenhaft zu prüfen, - mich dann jedoch allen Personen und Verhältnissen zu widersetzen, wenn sie meine hier bekundeten Vorsätze behindern. Ich bekräftige diese Verpflichtung durch die Bereitschaft, mich jederzeit an den in ihr enthaltenen Maßstäben messen zu lassen. Im Bewusstsein der hohen Ideale und anspruchsvollen Ziele werden meine täglichen Schwierigkeiten bei der Verwirklichung nicht Begründung für Alltagsroutine, sondern Anlass zu selbstkritischer Dauerreflexion sein. Das pädagogische Konzept der "Freien Schule Regenbogen" beruht vor allem auf dem Prinzip der Matetik und ist im Wesentlichen eine Verbindung von Freinetpädagogik und konstruktivistischer, systemischer Pädagogik. Mathetik betrachtet schulisches Lernen aus dem Blickwinkel des Schülers. Das bedeutet, die Lehrperson ist nicht “Herr” des Lernenden, sondern Lernberater und helfende Bezugsperson. Mathetik impliziert das konstruktivistische Verständnis von Lernen, das dieses als aktiven, selbst-organisierenden Prozeß versteht, bei dem die je eigenen ´Wirklichkeiten` des Individuums von diesem konstruiert werden. Mathetik bezieht darüber hinaus die ganzheitliche Sichtweise des Schülers mit ein. Wobei die Ganzheitlichkeit jede einzelne Handlung des Menschen im Zusammenhang mit seiner Gesamtpersönlichkeit sieht und erkennt alle Erfahrungen, die er mit sich und seiner Umwelt macht, als umfassendes Erleben und integratives Zusammenwirken. Grundlage unseres pädagogischen Handelns ist daher die matetische Herangehensweise an das Lernen und die natürliche Pädagogik des Reformpädagogen Célestin Freinet, die auf ein lebensnahes Lernen durch selbstständiges Erarbeiten und Auseinandersetzen mit der Welt ausge-richtet ist. Das Ganze geschieht in einem aktiven, schöpferischen und entdeckenden Prozess des lebendigen Lernens und Arbeitens und in Selbstorganisation. Dabei gestalten sich die Jugendlichen ihre eigene Lebenswirklichkeit, welche sich immer in dynamischem Wandel befindet und in der sie durch die ständige Interaktion mit dem sie umgebenden System (Schulgemeinschaft, Lerngruppe, peer-group usw.) sich selbst und ihre Wirkung in diesem System durch Reaktion, Resonanz und Rück-kopplung erfahren. 2.2. Die Notwendigkeit einer neuen Pädagogik Allein die Tatsache, dass die gesellschaftliche Realität und die damit verbundenen Lebensbedingungen sich enorm verändert haben und die Jugendlichen heute in nahezu allen Lebensbereichen neuen Anforderungen gegenüberstehen, macht es notwendig, in der Schule neue Wege zu gehen, damit die Jugendlichen mit diesen veränderten Lebensbedingungen positiv umgehen können. Vor allem aber sind die Jugendlichen mit dem Phänomen konfrontiert, dass das Wissen, welches sie in Zukunft brauchen werden, heute zu einem großen Teil noch gar nicht bekannt ist und sich das Wissen ständig ver-vielfacht, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, in allererster Linie das Lernen zu lernen, um sich das Wissen zu dem Zeitpunkt, wenn es benötigt wird, zugänglich machen zu können. Dazu kommt, dass zukünftige Berufsbiografien nicht mehr kontinuierlich verlaufen und eine hohe Flexibilität erforderlich machen. Eine Antwort auf diese Erfordernisse ist die Bereitschaft des lebenslangen Lernens, der die neue Schule Rechnung tragen muss. Weitere neue Anforderungen sind das Arbeiten im Team, das Denken in Zusammenhängen, das Treffen von Entscheidungen und eigenverantwortliches Handeln. Daraus wird deutlich, dass die Fähigkeit des konstruktiven Umgangs und der selbständigen Auseinandersetzung mit konkreten Lebens- und damit Lernsituationen gegenüber dem Erwerb festgelegter Inhalte immer mehr an Bedeutung gewinnt. Außerdem entwickeln sich die Jugendlichen in dieser Zeit zu Erwachsenen. Das ist ein umfassender und ganzheitlicher Prozess, des sich bewusst Entdeckens und neu Erschaffens, in den natürlich ein ganz erheblicher Teil der Energien fließt. Wie umfassend dieser Prozess ist, zeigt sich sehr deutlich an den Themen, mit denen sich die Jugendlichen in diesem Entwicklungsstadium auseinandersetzen. Nach den Erfahrungen einer Drogenberatungsstelle sind dies: • neue, reife Beziehungen aufnehmen • eine anerkannte Position in der peer‑group erringen • emotionale Unabhängigkeit von der Herkunftsfamilie erlangen • berufliche Perspektiven gewinnen • mit der eigenen Männlichkeit bzw. Weiblichkeit auseinandersetzen • sexuelle Beziehungen aufbauen bzw. vorbereiten • sozial verantwortungsvolles Verhalten entwickeln • bewährte Systeme und ethisches Bewusstsein als Richtschnur für eigenes Verhalten aufbauen • partnerschaftsfähig werden[5] Diese Aufstellung macht deutlich, dass weitgreifende Unsicherheiten im emotionalen, sozialen, geistigen und auch materiellen Bereich die Lebenssituation von Jugendlichen prägen. Darüber hinaus erzeugen auch die gesellschaftlichen und sozialen Ansprüche besonders in dieser Zeit des Erwachsenwerdens eine erhöhte Verun-sicherung und Zukunftsängste, sodass es besonders bedeutsam ist, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und vor allem das Vertrauen in die Entscheidungsfähigkeit der Jugendlichen zu stärken, durch die sie ihre eigene Sicherheit gewinnen. Aus diesem Grund brauchen die Jugendlichen eine Schule, die ihnen einen sicheren Rahmen bietet, sich selbst zu entdecken und zu finden ohne dass Fehler sogleich zur Verminderung ihrer Zukunftschancen führen. 2.3. Schlussfolgerungen für das Lernen Durch die ständige Vervielfachung des menschlichen Wissens in immer kürzerer Zeit, ist es unmöglich geworden, den Jugendlichen das Wissen zu vermitteln, was sie in späteren konkreten Lebens- und Arbeitssituationen benötigen. Daraus ergibt sich, dass Wissensvermittlung im herkömmlichen Sinn nicht mehr geeignet ist, junge Menschen auf das spätere Leben ausreichend vorzubereiten. Das macht eine neue Sichtweise auf das Lernen notwendig – ein Lernen welches geeignet ist, die Fähigkeit zu erlangen, sich das Wissen verfügbar zu machen, das in einer konkreten Situation benötigt wird. Unser Ziel ist dabei die Ermöglichung von komplexen und ganzheitlichen Lernprozessen, denn wirkliches Lernen ist immer zugleich kognitiv, emotional, sozial, handelnd und reflektierend. An unserer Schule wird daher das Lernen wie folgt stattfinden:
Wir wollen auf diesem Weg, dem Kompetenzmodell des Thüringer Lehrplans folgend, das darin formulierte primäre Ziel des schulischen Lernens – die Sicherung der Grundbildung[6] - verwirklichen und orientieren uns an den abschlussbezogenen Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK). Im Schulalltag wird es in der Verantwortung der Bezugspersonen liegen, dafür die exemplarischen Lernfelder aufzusuchen, herzustellen oder zu erarbeiten und durch deren Reflektion die Bezüge zum abstrakten Wissen herzustellen. Die optimalen Lernbedingungen werden dafür sowohl durch die sich entwickelnde Tages- und Wochenstruktur und die Jahresplanung, als auch durch eine individuelle Bildungsberatung und -empfehlung und individuelle Bildungsvereinbarungen geschaffen. Das individuelle Lernen an unserer Schule erfordert die Aufhebung des Klassenprinzips und das Denken in Entwicklungszeiträumen. Diese sind vor allem durch die einzelnen psycho-sozialen Entwicklungsphasen der Jugendlichen bestimmt, wobei jedoch das jeweilige Abschlussjahr der speziellen Prüfungsvorbereitung z.B. durch Vorbereitungskurse dient. Eine weitere Schlussfolgerung für das Lernen ist die Notwendigkeit ohne feste Fachstrukturen, sondern vielmehr fächerübergreifend, ja sogar fachbereichsübergreifend zu arbeiten, sodass die Lerninhalte zu neuen Inhaltskomplexen kombiniert werden, die umfassende Lernprozesse überhaupt erst möglich machen. Innerhalb unseres fachbereichs-übergreifenden Arbeitens liegt es in der Verantwortung des pädagogischen Teams, dafür zu sorgen, dass die einzelnen Lernfelder der klassischen Fachbereiche in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. 2.4. Die sich daraus ergebenden Bildungsziele Den späteren Anforderungen der Erwachsenenwelt können die Jugendlichen nur dann mit ihrer eigenen Sicherheit begegnen und gerecht werden, wenn sie die Möglichkeit hatten, ihre Identität zu finden und daraus resultierend eine starke Persönlichkeit auszubilden. Daher ist eines unserer Hauptziele und Grundlage für die Ausbildung weiterer persönlicher Qualitäten, die emotionale und soziale Sicherheit der Individuen zur Stärkung der Ich-Identität. Wir streben daher als Bildungsziele die Ausbildung folgender Qualitäten an:
Die Ausbildung dieser Qualitäten ist aber nur dann möglich, wenn sie als Grundwerte das alltägliche, gemeinsame Miteinander bestimmen und dadurch eine ständige Auseinandersetzung mit ihnen erfolgt. Nur auf diesem Wege können wir erreichen, dass diese Fähigkeiten nicht nur moralische Postulate bleiben, sondern ethische Handlungskategorien für die konkrete Interaktion werden und sich innere Strukturen ausbilden, die über die Schulzeit hinaus bestehen bleiben. Voraussetzung für die Entwicklung der oben genannten Qualitäten ist die Möglichkeit der Ausbildung einer individuell, emotionalen Sicherheit durch:
3. Die charakteristischen Besonderheiten unserer Schule 3.1. Lernen in realen Lebenszusammenhängen Die Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen gestalten sich sehr viel erfolgreicher, wenn die Lernsituationen und Lernorte möglichst nahe an realen Lebenszusammenhängen sind. Unsere Erfahrungen aus der Grundschule haben gezeigt, dass besonders das konkrete Erleben verschiedener Lernorte und die damit verbundenen unterschiedlichen Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten die Lernprozesse enorm bereichern, neue Impulse bringen und neue Horizonte eröffnen, was wir natürlich auch in der Sekundarstufe I altersentsprechend weiter-führen werden. Dabei ist es von großer Wichtigkeit, dass die Jugendlichen authentische Lebenszusammenhänge erfahren können, die nicht für die Schule vorbereitet bzw. “aufbereitet” sind, um besser “verdaut” werden zu können. Erst diese Begegnung mit authentischen und konkreten Lebens-situationen und qualifizierten Menschen in verschiedenen Arbeits- und Lebensbereichen vermittelt einen Eindruck von der Welt der Erwachsenen, wie sie ist, und ermöglicht so eine Auseinandersetzung mit dieser Realität. Mögliche Lernorte sind dabei zum Beispiel:
Zur Erkundung und Untersuchung anderer, auch entfernterer Lernorte wollen wir ein “mobiles Lernzimmer” einrichten, um dann vor Ort kon-kreten Fragestellungen nachgehen zu können. Das “mobile Lernzimmer” ist dabei nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern bietet auch Material und Platz zum Arbeiten, um z.B. einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb in der näheren Umgebung erforschen zu können. In solchen komplexen Lebens- und Lernsituationen sind viele der klassischen Schulfächer beteiligt, sie stehen aber in diesem Zusammenhang nicht unabhängig nebeneinander, sondern dienen uns erst in ihrem Zusammenspiel beim Erkennen, Ver-stehen und Umgehen mit der Welt.
Eine logische Konsequenz der zuvor beschriebenen Lernform ist das Lernen auf Reisen, wodurch sich die Erkundungszeit und der Aktionsradius bedeutend erweitern lässt und eine unmittelbare Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Formen des Zusammenlebens möglich macht. Dabei beziehen wir uns auch auf Erfahrungen der “Reisenden Schule Scholen” und der “Freien Schule PrinzHöfte”. Die Reisen werden von den Jugendlichen selbst organisiert. Das heißt im Einzelnen, dass finanzielle, logistische und inhaltliche Fragen von ihnen geklärt werden müssen, was die Ausbildung betriebswirtschaftlicher, bürotechnischer und forschender Fähigkeiten und Fertigkeiten mit einschließt. Die Idee des Reisezieles entsteht dabei aus den Themen, mit denen sich die Jugendlichen beschäftigen und dem Wunsch diese auch auf einer anderen Wahrnehmungsebene kennen zu lernen, was zu einer nachhaltigen Vertiefung des Gelernten und Erfahrenen führt und neue Lernimpulse bringt. Auch das Reisen selbst stellt die Jugendlichen vor eine große Heraus-forderung, nämlich beim Umgang mit den ständig neuen Lebenssituationen unterwegs und der damit verbundenen Verunsicherung. Neben den unbekannten Erfahrungswelten lernen sie auch sich selbst im Zusammenleben mit der Gruppe und im Umgang mit den anstehenden Aufgaben besser kennen und gelangen so zu mehr Selbstsicherheit, Souveränität und innerer Stärke. Daraus erwächst vor allem das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Erfahrung, aktuelle und unvorhergesehene Probleme lösen zu können. Dabei bestärken uns die Erfahrungen der "Reisenden Schule Scholen" mit Jugendlichen, die ihren Schulabschluss in dieser Schule nachholen wollten. Es hat sich gezeigt, dass alle die Jugendlichen, die es geschafft haben, eine Fahrt nach Afrika vorzubereiten und durchzuführen, danach in der Lage waren, ihre schulischen Abschlüsse zu erreichen. Lernen auf Reisen bedeutet unmittelbares Lernen vor Ort, ist Lernen am Leben und deshalb lebendiges Lernen. Auf diese Weise wird z.B. Geschichte, Geografie, Biologie, Kunst und Kultur u.v.a.m. hautnah erfahrbar. Außerdem erwerben die Jugendlichen während der Studienreisen im Umgang mit den dort lebenden Menschen automatisch und notwendiger Weise die entsprechenden Sprachkenntnisse. Nach Beendigung einer solchen Reise sind die Jugendlichen voll von Eindrücken, die dann in der Nachfolgezeit in der Schule auf verschiedene Art und Weise ausgetauscht, geteilt und verarbeitet werden, woraus sich wieder neue Lernimpulse und Projektideen ergeben. 3.3. Berufsorientierung in der Schule – Berufliche Fähigkeiten und Berufung Ein weiteres wichtiges Lernfeld für die Sekundarstufe ist die berufliche Frühorientierung. Eine besonders intensive Form der Auseinandersetzung mit der Berufswelt werden dabei vor allem Praktika sein, die die eigenen Neigungen und Fähigkeiten, aber auch den eigenen Umgang mit Arbeitsprozessen erfahrbar machen. Auf diese Weise können die Jugendlichen sich selbst ausprobieren und herausfinden, ob es ein ihren Interessen entsprechendes Berufsbild gibt oder ihre Berufung entdecken. Um uns herum gibt es eine Vielzahl von Firmen, Organisationen und Institutionen, zu denen dafür kooperative Verbindungen aufgebaut und die durch die Grundschule bestehenden ausgebaut werden. Folgende berufsbildende Lernorte sind bereits jetzt für den Start der Sekundarstufe 1 angedacht und in Verhandlung:
· Lützensömmern · Langenschade · Burgmühle Haina
· Architekturbüro · Druckerei · Kornmühle Ingersleben · Töpferei (z.B. Möbisburger Mühle) · Firma für Pflanzenkläranlagen in Kirchheim · Tischlerei
· Radio FREI · Theater · KIKA · EGA
· Erfurter Bahnhof · Post · Bibliotheken · Stadtwirtschaft
· Geburtshaus
· Naturkundemuseum · Sternwarte · Umweltinstitute · Greenpeace Je nach Neigung und Interesse können die Jugendlichen sich eine Praktikumsstelle wählen und die Realisierung dieses Praktikums organisieren. Das schließt auch das Schreiben von Bewerbungen und den Umgang mit Ämtern mit ein. Darüber hinaus wollen wir, vor allem zur Finanzierung der Reisen, in der Schule Zweckbetriebe aufbauen, die den Jugendlichen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, neue Fähigkeiten zu erwerben und in einem konkreten, für sie bedeutsamen Zusammenhang wirtschaftliches Arbeiten lernen zu können. 3.4. Das gemeinsame Leben und Lernen Ein besondere Aufmerksamkeit in unserem gemeinsamen Leben gilt neben dem konkreten Lernen der Entwicklung persönlicher Qualitäten. Dabei hat die Person des Jugendlichen Vorrang vor den inhaltlichen Erfordernissen. Der Prozess des Erwachsenwerdens ist ein ganz besonderer Lebensabschnitt in dem die Bedürfnisse der Jugendlichen sehr unterschiedlich und sprunghaft sind. Die Kunst des Zusammenlebens besteht deshalb darin, den Jugendlichen bei Bedarf sowohl Halt und Geborgenheit zu bieten, als auch loslassen zu können und sie dadurch in ihrem Selbstentfaltungs-prozess zu unterstützen. Ein besonders wichtiges Bedürfnis der Jugendlichen in diesem Alter ist dabei auch, sich zurückziehen zu können, dem wir auf allen Ebenen unseres Zusammenseins Rechnung tragen wollen. Unsere Art des gemeinsamen Lebens und Lernens erfordert selbstverständlich einen anderen Einsatz der Erwachsenen. Den Bezugspersonen kommt hier die Aufgabe zu, sich in die Situation der jeweiligen Jugendlichen hineinzufühlen und entsprechend der Lage zu handeln. Hierbei sind sie selbst aber auch Lernende – ist es doch von Bedeutung die Jugend-lichen zu verstehen und die Besonderheit dieser entwicklungspsycho-logischen Phase anzuerkennen. Dies schließt auch, gerade in dieser Entwicklungsphase der vermehrten Auseinandersetzung und In-Frage-Stellung, mit ein, eine Streitkultur zu entwickeln, die darin besteht, die Bedürfnisse aller Beteiligten wahrzunehmen und das eigen Handeln danach auszurichten, sodass Konflikte als Begegnungschance begriffen werden können. In der Sekundarstufe werden die Eltern, wie auch schon in der Grund-schule, mit einem hohen Maß an Verantwortung und Mitbestimmung an der Schulentwicklung teilhaben. Gegenüber staatlichen Schulen ist dabei die Möglichkeit für Eltern, sich aktiv in den Schulalltag einzubringen, wesentlich größer - ist darüber hinaus aber auch ein wichtiger und not-wendiger Baustein zum Erhalt der Schule. So werden sich die Eltern nicht nur im Trägerverein organisieren, sondern haben durch die gemeinsame Arbeit in verschiedene Arbeitsgruppen auch direkten Anteil am Betrieb und Erhalt der Schule. Außerdem können die Eltern durch spezielle Angebote ihre eigenen fachlichen Qualifikationen in den Lernprozess einbringen und ihn damit bereichern. So können die Eltern auf der einen Seite dazu beitragen, der Erfahrungswelt der Jugendlichen eine Facette des Alltags Erwachsener hinzuzufügen, ihnen damit neue Tätigkeitsfelder näher bringen und sie hinter die Kulissen schauen lassen. Auf der anderen Seite ist es den Eltern dadurch möglich, den Schulalltag selbst einmal hautnah zu erleben und damit das Leben und Lernen ihrer Kinder auch aus diesem Blickwinkel kennen und verstehen zu lernen. Obwohl die Eltern in unserer Schule viele Möglichkeiten der Mitsprache, Mitwirkung und Verantwortung haben, liegt die Verantwortung für die pädagogische Arbeit und damit die Entscheidung über das pädagogische Handeln und die Aufnahme neuer Jugendlicher ausschließlich in den Händen des pädagogischen Teams. Es wird aber einen regelmäßigen Austausch zwischen den Eltern und den Bezugspersonen über die päda-gogische Arbeit geben - z.B. im Rahmen der Elternabende, bei denen allgemeine und aktuelle pädagogische Themen und Probleme besprochen werden, wobei sich die Eltern auch untereinander über ihre individuellen Erfahrungen austauschen können. Speziellere Fragen und Probleme können dann außerdem bei dem individuellen Elterngespräch besprochen und geklärt werden, das je nach Bedarf, für jede Familie aber mindestens einmal in jedem Schuljahr ermöglicht wird. Die Bezugspersonen selbst werden von einem Gremium eingestellt, dass paritätisch besetzt ist und auf der Grundlage der Empfehlung des päda-gogischen Teams entscheidet. Für die Umsetzung unseres Konzeptes brauchen wir Bezugspersonen, die, von Liebe und Verständnis geleitet, mit den Jugendlichen leben und sich mit ihnen auseinandersetzen wollen und eine Pädagogik stützen, begleiten und weiterentwickeln, bei der der Impuls des Lernens und die Verantwortung für das eigene Handeln auf ihrem Lernweg konsequent bei den Jugendlichen liegt. Unsere Bezugspersonen verstehen sich dabei als Ansprechpartner, Materiallieferanten und Lernförderer der Jugendlichen, die sich als Personen, die auf dem jeweiligen Gebiet mehr Erfahrung haben, in die Gruppe der Lernenden einbringen. Sie haben neben der Rolle des Wissensvermittlers aber auch die Rolle des Forschers und neugierigen Entdeckers, also des selbst Lernenden und damit Produzenten von Wissen, der durch seine eigene Lernerfahrung kompetent die Lernprozesse der Jugendlichen begleiten kann. Wir vertrauen darauf, dass jeder Jugendliche wünscht, solche Vorhaben durchzuführen, die für ihn sinnvoll sind und begreifen die Funktion der Bezugspersonen dabei als Impulsverstärker und Lernberater. Für unsere pädagogische Arbeit ist die Fähigkeit und Bereitschaft der Bezugspersonen, liebevolle und von Vertrauen getragene Beziehungen mit den Jugendlichen und untereinander aufbauen und erhalten zu können, eine unbedingte Grundlage und Voraussetzung für den familiären Charakter unseres Zusammenlebens. Bei den wöchentlichen Teamsitzungen reflektieren die Bezugspersonen die eigene pädagogische Arbeit und tauschen sich über fachliche und pädagogische Fragen aus. Unser schulisches Leben zielt auf die Weiterentwicklung und Erweiterung der Lebenskompetenzen ab. Wir orientieren uns dabei in unserer Pädagogik an den in konkreten Lebenssituationen und aus natürlicher Neugierde entstehenden individuellen Interessen der Jugendlichen, aus denen heraus sich die konkreten Lerninhalte ergeben. Daraus erwächst die Notwendigkeit der Struktur des fachbereichsübergreifenden Lernens um die Ausbildung von sozialen, kreativen, emotionalen, praktischen sowie kognitiven Fähigkeiten zu ermöglichen. Damit werden die Grundsätze des Thüringer Lehrplans nach individuellem und gemeinsamen Lernen in verschiedenen Arbeits- und Sozialformen, der Gestaltung eines lebensverbundenen Lernalltags und dem ganzheitlichen Charakter des Kompetenzmodells bestmöglich umgesetzt[7]. In unserer Schule werden keine abgeschlossenen, expliziten Jahrgangsklassen existieren. Trotzdem orientiert sich die Gestaltung des Lernalltages an den unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Jugendlichen. In unserer Pädagogik brauchen wir eine Struktur des Lernens in deren Rahmen sich die Freiheit gestalten kann. Diese Struktur beinhaltet die Gliederung des Tagesablaufes sowie die Organisation des darin stattfindenden Lernens in den unterschiedlichen Formen, die z.B. Kurse, epochale Projekte, Freiarbeit und Arbeitsgemeinschaften sein können. Dafür wird es einen Tagesablaufplan geben, der den zeitlichen und formalen Rahmen der Lernaktivitäten beschreibt. Die konkrete Lernorganisation findet jedoch innerhalb der täglichen Versammlungen statt, wobei die Lernaktivitäten miteinander abgestimmt werden. Innerhalb dieser Lernstruktur richten sich die Lerninhalte nach den Interessen der Jugendlichen. Die sich daraus ergebende Tagesplanstruktur wird durch Projekte, epochale Lernphasen, Praktika oder Reisen ergänzt. Die längerfristige Planung der Lerninhalte und der Lernorganisation erfolgt gemeinsam, öffentlich und konsensuell. Lernen an der Regenbogenlebensschule ist also in “Schule” sein – im ursprünglichen Sinne des Wortes - nämlich in Muße sein[8] – also die Zeit und die Ruhe zu haben, um etwas erkennen und den eigenen Fragen nach-gehen zu können. Im Einzelnen kann das z.B. sein: - Erfahren des Selbst in seinen Höhen und Tiefen - Den eigenen Experten entwickeln - Sich mit anderen Experten treffen und austauschen - Fachliche Dispute provozieren - Darüber philosophieren und diskutieren, wie die Welt funktioniert - Lebensthemen aufwerfen, wälzen, zerreißen und wieder neu zusammenfügen - Forschen anhand vorhandener Materialien - Ausfindigmachen von Informationsquellen - Gesprächspartner finden - Eigene Professionalität entwickeln und zulassen - Vorträge erarbeiten und dazu einladen - Vorträge hören - Teams bilden, um ein gemeinsames Thema zu beleuchten - Sich für Dienste anbieten - Diensten nachgehen - Verantwortung übernehmen innerhalb der Selbstorganisation der Schule Den Bezugspersonen obliegt dabei die Aufgabe, die langfristigen Lerninhalte im Überblick zu behalten und die Wahl der Lerninhalte der Jugendlichen bei Bedarf dahingehend zu beraten und zu begleiten. Durch das Lernen im und am Leben ergibt sich immer ein Entdecken und Erkennen von Mustern, Strukturen und Zusammenhängen und schafft so ein Begreifen und Verstehen und damit ein Netzwerk an Erfahrung und Wissen zum Verständnis von Leben. Ausgerüstet mit diesem Netzwerk und der Fähigkeit zu lernen werden die Jugendlichen jede Prüfung bewältigen, die sie bestehen wollen. 4.2. Leistungsanalyse und Leistungsbewertung Die Leistungsanalyse und die Leistungsbewertung muss vor allem dem prozesshaften Charakter des Lernens Rechnung tragen, kann aber auch eine punktuelle Leistungsmessung ausdrücken. Ein ständig stattfindender Prozess ist dabei die Leistungsanalyse. Durch die tägliche Reflektion, die Präsentationen, aber auch durch Gespräche und das Beobachten und Nachfragen an sich, entsteht notwendiger Weise ein Netz von Informationen über den momentanen Entwicklungsstand eines jeden. Dadurch entwickeln die Jugendlichen ein sehr feines Gespür für die Bewertung ihrer Arbeiten. Außerdem werden sie auch gegenseitig ihre entstandenen Arbeiten und Präsentationen beurteilen. Hierbei schließen wir nicht aus, dass die Jugendlichen unserer Schule auch nach Leistungsstandards bewertet werden wollen. Dabei ist wichtig zu beachten, dass Bewertung immer Ausdruck eines bestimmten Bezugssystems ist. So können die Jugendlichen sich innerhalb verschiedener Bezugs-systeme messen – wie den Anforderungen der Hauptschule, der Realschule oder des Gymnasiums, aber auch mit den Leistungsstandards anderer Länder bzw. den Wertmaßstäben anderer Kulturen. Möglichkeiten der Leistungsanalyse und Leistungsbewertung können dabei sein:
Bis einschließlich Klasse 10 werden wir am Ende eines jeden Schuljahres Schuljahresabschlussbriefe schreiben, die sowohl die persönliche Entwicklung, das Verhalten innerhalb der Gruppe, als auch das Lernverhalten des letzten Schuljahres reflektieren und Hinweise zum Lernweg und zu den Lernergebnissen enthalten. Im Falle eines Schulwechsels oder einer Bewerbung formulieren wir einen Begleitbrief, der die Persönlichkeit der Jugendlichen im Sinne des Kompetenzmodells umfassend beschreibt und eine Bildungsempfehlung enthält und stellen auf Anfrage ein Notenzeugnis aus. Die Jugendlichen können sich in unserer Schule auf alle Abschlüsse des Sekundarbereiches I und ihren Weg auf einer weiterführenden Schule vorbereiten. Den jeweiligen Abschluss können sie dann je nach Gesetzeslage durch eine Prüfung innerhalb der Schule oder durch eine externe Prüfung erwerben. “Die Zeit ruft nach “Persönlichkeiten”, aber sie wird vergebens rufen, bis wir die Kinder als Persönlichkeiten leben und lernen lassen; ihnen gestatten, einen eigenen Willen zu haben, ihre eigenen Gedanken zu denken, sich eigene Kenntnisse zu erarbeiten, sich eigene Urteile zu bilden; bis wir mit einem Wort, aufhören, in den Schulen die Rohstoffe der Persönlichkeit zu ersticken, denen wir dann vergebens im Leben zu begegnen hoffen.” Ellen Key (Schwedische Reformpädagogin, 1900)[9] “Das Ziel der Erziehung (...) muss die Formung von Herz, Urteilskraft und Verstand sein, und das in dieser Reihenfolge.” Jean-Jacques Rousseau[10] “Leben ist das Handwerk, das ich ihn lehren möchte. Aus meinen Händen entlassen, wird er das räume ich gern ein, weder ein hoher Beamter noch ein Soldat noch ein Priester, er wird in erster Linie Mensch sein, im Dienste der Dinge ebenso wie im Dienste anderer Menschen. Er wird auf seinem Platz stehen, und das Schicksal wird vergeblich versuchen, ihm einen anderen zuzuweisen.” Jean-Jacques Rousseau10 [1] Hans Böckler Stiftung, Hrsg., Sachverständigenrat Bildung: Ein neues Leitbild für das Bildungssystem – Elemente einer künftigen Berufsbildung. Düsseldorf 1998, Seite 11 ff [2] www.freinet.paed.com [3] Célestin Freinet: Pädagogische Texte. Hamburg 1980, Seite 25 [4] Deutsche Lehrerzeitung Nr. 37/1991, Seite 3 [5] vgl. Information der Drogenberatungsstelle Delmenhorst [6] vgl. Lehrplan für die Regelschule und für die Förderschule mit dem Bildungsgang der Regelschule 1999 [7] vgl. Lehrplan für die Regelschule und für die Förderschule mit dem Bildungsgang der Regelschule 1999 [8] vgl. Peschel, Falko: Offener Unterricht – Idee-Realität-Perspektive, Teil I und II, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2003 [9] aus: Goeudevert, Daniel: Der Horizont hat Flügel – Die Zukunft der Bildung, Econ Verlag, München 2001, S. 35 [10] aus: Goeudevert, Daniel: Der Horizont hat Flügel – Die Zukunft der Bildung, Econ Verlag, München 2001, S. 58
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