Struktur Grundschule
Wir haben aufgrund unseres spezifischen Konzeptes eine völlig andere Struktur als eine herkömmliche staatliche Schule.

Diese Struktur baut auf dem Anspruch auf, den Kindern ein Lernen entsprechend ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen. Der Begriff Lernen umfasst hier ein viel größeres Spektrum, reicht von Kulturtechniken über freies Spiel bis zum sozialen Umgang zwischen den hier anwesenden Kindern und Erwachsenen. 

Entsprechend gliedert sich die Woche wie folgt:
Nachdem sich die Kinder schon im Jungs- oder Mädchenzimmer getroffen haben, wird es ungefähr um neun Uhr morgens eine Person (Bezugi oder Kind) geben, die auf der Liste nachschaut, wer denn zum Kreis rufen soll, indem er den Gong erklingen lässt. Nur Kinder, die gerne diesen Dienst übernehmen, sind dafür auf der Liste vermerkt. Protestrufe gegen den Kreis werden nun laut, weil doch der Kapla-Turm noch nicht fertig gebaut oder das Bild nicht zu Ende gemalt ist. Doch es hilft nichts – alle finden sich in unserem so genannten Kuschelzimmer ein, in dem ein großer Kreis aus Teppichen vorbereitet ist. Jetzt wird nach dem Freund gerufen oder ein Bezugi gesucht, auf dessen Schoß man sich setzen kann, während die Ersten schon nach dem kleinen Haufen an Dingen in der Kreismitte schauen, die bei der letzten Aufräumzeit übersehen wurden. Wenn dennoch etwas übrig bleibt, müssen wir den Kreis damit beginnen, zu klären wem es gehört oder wer es wegräumt. Manchmal finden diese Dinge nämlich keinen Besitzer und so gibt es dann einige, die die Notwendigkeit des Aufräumens erkannt haben und die letzten Sachen aus dem Kreis nehmen.

Montags können die Kinder dann von ihren Erlebnissen am Wochenende erzählen. Geschichten von Ausflügen oder von kranken Haustieren, von langweiligen oder spannenden Tagen zu Hause werden nun, mehr oder weniger ausgeschmückt, berichtet. Es gibt Kinder, die erzählen im Kreis nie etwas, und das ist auch völlig in Ordnung so. Sie wissen zwar, dass im Kreis alles angesprochen werden kann, aber sie haben eben nicht das Bedürfnis dazu. Erst wenn ein Kind allzu weit abschweift im Erzählen, dann gibt es das verabredete Zwei-Finger-Zeichen als Symbol, wieder zum Wesentlichen zurückzukommen.

Während die ersten Kinder anschließend den Kreis verlassen, um die Kurse zu besuchen, für die sie sich an diesem Tag entschieden haben, bereitet sich der Rest auf den Morgenkreis vor, in dem schon mal überlegt wird, was man so machen könnte. Wenn sich alle etwas vorgenommen haben und alle Probleme geklärt sind, gehen alle in die Lernzeit. Jetzt wird also Fußball, Raubtier oder Räuber gespielt, manche basteln, tauschen oder bauen Lego oder tanzen zu Michael Jackson. Claudio spielt das x-te Mal Schach und Marvin isst erst einmal in Ruhe Frühstück, während die Mädchen in ihrem Zimmer Papierpuppen selbst herstellen. So vergeht im Nu die Zeit bis 11.45 h und alle sind entsetzt, wenn erneut zum Kreis gegongt wird.

Aufgabe der Kinder ist es nun, über ihre Aktivitäten zu berichten, Probleme zu erkennen, Erfreuliches bekannt zu geben, den Tag einzuschätzen, zu spüren, ob es ihnen gut geht oder nicht und allen anderen damit zu zeigen: ich hatte zwar einen interessanten Tag, aber ich bin aus diesem oder jenem Grund unzufrieden, oder aber: ich hab mich die ganze Zeit gelangweilt und überhaupt nicht das geschafft, was ich mir vorgenommen hatte, aber mir geht es trotzdem gut. Selbstverständlich bleiben die Kinder mit ihren Reflexionen nicht allein, die Bezugis spüren genau nach: warum bist du unzufrieden, warum bist du heute so ruhig oder was hat dir heute am Besten gefallen? So lernen die Kinder an der Regenbogenschule, selbst Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst sowie für die Gestaltung ihrer Zeit.

Die Tage der Woche unterscheiden sich dahingehend, dass jeden Tag andere Kurse und andere Termine  und Dienste anliegen. So gehen die Kinder, die Lust verspüren mit zum Schwimmen, das in einem Nichtschwimmerbecken stattfindet, um auf der einen Seite den spielerischen Umgang mit Wasser zu ermöglichen und gleichzeitig das Schwimmen angstfrei zu gestalten. In regelmäßigen Abständen wird auch eine Turnhalle besucht. Ein anderer Tag wird durch die Grundordnung ergänzt, die (teilweise äußerst unbeliebt aber auch von Kindern herbeigesehnt) nötige Kleinarbeiten, wie Staub putzen oder Müll entsorgen, beinhaltet. Dafür fällt die reguläre Lernzeit kürzer aus und die restliche Zeit bis zum Mittag wird in den einzelnen Räumen dann geputzt und geräumt.

Um die Vorbereitung des Mittagessens kümmern sich ebenfalls die Kinder. Sie haben sich in Gruppen aufgeteilt und wechseln sich mit dem Tischdienst der Reihe nach ab. Das Essen, das hier im Haus gekocht wird, besteht aus warmen Essen und einem reichhaltigen Buffet.

Der Freitag fällt in der Wochengestaltung ein wenig aus der Reihe, dahingehend, dass an diesem Tag die Intensivlernzeit stattfindet. Hier können die Kinder immer noch entscheiden, was sie tun möchten, allerdings in den Grenzen der Kulturtechniken, innerhalb der Bereiche Lesen, Schreiben und Rechnen. Also sind Brettspiele zwar erlaubt, aber nur diejenigen, bei denen gerechnet oder mit Buchstaben gespielt wird. Auch machen wir an diesem Tag alle gemeinsam für eine halbe Stunde Pause. Die erste Lernzeithälfte erstreckt sich dann meistens eine Stunde und die zweite eine dreiviertel Stunde lang. Für die Viertklässler gibt es eine gesonderte Intensivbetreuung, da sie auf die weiterführende Schule vorbereitet sein wollen. Hier werden sie mit gemeinsamem Unterricht konfrontiert, in dem aber immer noch Platz für eine individuelle Betreuung bleibt. So werden auch die Kinder gut vorbereitet, die an andere weiterführende Schulen wechseln.

Der Wochenrhythmus wird durch monatliche Projektwochen unterbrochen, bei denen den Kindern ermöglicht wird, in ein selbst gewähltes Thema tief einzutauchen und lange und intensiv daran zu arbeiten. Es ist eine wunderbare Zeit – überall wird entweder am Theaterstück geprobt oder Herbstliches gebastelt, wird an Flugzeugen getüftelt, werden Muffins gebacken, wird ein Lexikon gelesen, um die Wette gerannt, über Gott geredet und über Wasser geforscht. Am letzten Tag, am Freitag, gibt es dann die Präsentation, zu der die Eltern und die Kinder, auch die aus dem Kindergarten, staunen können, was alles entstanden, erforscht und erlebt worden ist.

Die Nachmittage an unserer Schule stehen für besondere Angebote offen, werden allerdings meistens für freies Spiel genutzt. Der Tag endet mit einer allgemeinen Aufräumzeit für alle Kinder, die noch da sind. Kinder, die eher gehen, sind in der Pflicht, vorher alles aufzuräumen, womit sie an dem Tag gespielt haben. Nach dem Aufräumen treffen sich alle zum gemeinsamen Vesper mit Apfelsaft und Popcorn. Da werden die letzten Diskussionen weitergeführt und die ersten Erlebnisberichte vom Tage kursieren. Um 16:00 h dann müssen die Bezugis die letzten Kinder aus dem Haus tragen, da so mancher sich nicht von der Schule und den Freunden trennen kann.

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