Konzept

Das Konzept der FREIEN SCHULE REGENBOGEN (Kindergarten, Grundschule, Sekundarstufe I) gründet auf vielfältigen Erfahrungen im Zusammenleben mit Kindern und Kindergruppen und den daraus entwickelten Vorstellungen – auf Erkenntnissen und Auffassungen der Bewegung der Freien Pädagogik sowie in- und ausländischer Psychotherapeuten und Soziologen. Wir sehen die Freie Schule Regenbogen als wertvolles Angebot neben anderen Schul- und Kindergartenangeboten.

Nach unseren bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen sind wir zu der Einstellung gelangt, dass Kinder gegenüber allen Lern- und Erfahrungsbereichen eine kindgemäße, eigendynamisch gesteuerte Herangehensweise entwickeln.
Sie unterliegt vollkommen anderen Gesetzmäßigkeiten als die Vorgehensweise der Erwachsenen. Das kann natürlich nur da beobachtet, untersucht und entdeckt werden, wo den Kindern die Möglichkeit gegeben wird, eine solche Herangehensweise zu entwickeln und zu entfalten. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass darauf verzichtet wird, den Kindern, kaum dass eine Frage gestellt ist, schon die einzig richtige Lösung gewiesen wird. Wenn wir sagen „verzichten“, dann meinen wir das auch so. Das heißt z. B. die Kinder die Wege zur Lösung selbst gestellter Fragen entdecken zu lassen. Das ist wesentlich schwieriger, als vorformulierte Fragen zu stellen, deren Antworten alle schon kennen.
Wir erwarten von den großen Leuten (also Bezugspersonen und Eltern) eine Zurückhaltung, die folgende Grundaspekte umfasst:

  • Die kritische Bestandsaufnahme der eigenen persönlichen Entwicklung, Hinterfragen von Verhaltensmustern, Finden von konstruktiven Veränderungsmöglichkeiten usw.
  • Die äußerst sensible Beobachtungsfähigkeit im Zusammensein mit den kleinen Leuten, um wirklich WAHR-nehmen zu können, was da geschieht und wo die Kinder die Unterstützung der Großen wollen und brauchen. (Kinder sind durchaus in der Lage, ihre Angelegenheiten allein zu regeln.)
  • Die Bezugspersonen (und damit auch die Eltern) reagieren auf die Bedürfnisse der Kinder, indem sie Angebote machen oder Unterstützung bieten.

Praktisches Tun der Kinder aus Neugier und Interesse heraus wird von den großen Leuten unterstützt, Fragen der Kinder sind der Auslöser für gemeinsames Nachdenken, Suchen und Finden von Wissen, Zusammenhängen, Lösungen. Daraus erwächst folgende Struktur: eine vielfältige Kombination von FREIEM Spiel, Kursen, Projekten und anderen Aktivitäten.

Einen Lehrplan mit Lernzielen und Lerninhalten kann es für unsere Schule nicht geben (für den Kindergarten selbstverständlich erst recht nicht), da dies im völligen Widerspruch zu unserer Konzeption stehen würde. Da wir von der Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit der jüngeren Leute ausgehen, akzeptieren wir auch ihre Lernkompetenz. Jedes Kind empfindet selbst am allerbesten, was und wie es zu welchem Zeitpunkt lernen kann und möchte. Am effektivsten und sinnvollsten lernen Kinder (auch große Leute), wenn ihnen gestattet wird, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die sie gerade am meisten interessieren und die ihren inneren Bedürfnissen entsprechen.

Folgende Ansätze und Grundlagen ersetzen einen Lehrplan:

  1. Der U m g a n g mit Dingen und der Umwelt
  2. Der U m g a n g mit anderen Menschen
  3. Der U m g a n g mit der eigenen Person
  4. Der U m g a n g mit Wissen und Gedanken anderer Menschen

Zeitpunkt, Rhythmus, Geschwindigkeit und Weg dieser Lernprozesse sind dabei individuell völlig unterschiedlich. Für die Bezugspersonen bedeutet das, den jeweiligen Entwicklungspunkt des Mädchens/Jungen zu erkennen, das Kind dort zu treffen, abzuholen und weiter zu begleiten, Lernhemmnisse und -hindernisse zu erkennen, Ursachen aufzudecken und Wege zu deren Überwindung zu suchen.
Das Leben jedes großen und kleinen Menschen und so auch das gesamte Leben in der Regenbogenschule ist Lernen. Wir schaffen keine künstlichen Lernsituationen und -formen, sondern achten und fördern die den täglichen Aktivitäten der Kinder immanenten Situationen und Formen.
In der Freien Schule gibt es keine LehrerInnen, sondern Bezugspersonen. Die Aufgabe der dort arbeitenden großen Leute ist nicht das „Lehren“, sondern das In-Beziehung-Treten. In dieser Haltung wollen sie die Kinder auf ihrem individuellen Entwicklungs- und dem darin enthaltenen Lernweg begleiten. Dies beinhaltet ein völlig neues Verhalten zwischen großen und kleinen Leuten.
Unsere Freie Schule wollen wir mit Kindern und Eltern gestalten. Die Mütter und Väter sind mitverantwortlich für das, was in der Freien Schule geschieht, d. h. es muss eine enge und ständige Zusammenarbeit von Eltern und Schule bestehen. Eine selbstverwaltete Schule wie die Freie Schule Regenbogen lebt von der aktiven Elternarbeit. Daher müssen sie möglichst regelmäßig an der Große- Leute-Versammlung und der Schulversammlung teilnehmen. Es ist wichtig, dass den spezifischen Interessen und Auseinandersetzungen der Eltern mit sich, ihren Kindern und den Bezugspersonen als eigenständigem Bereich ein fester Platz zugestanden wird. Die Elternarbeit hat von den Eltern selbst auszugehen, da es im Wesentlichen um ihre Belange geht. Die Mütter und Väter brauchen Freiheit und auch den geschützten Raum, um ihren Selbstfindungsprozess an einer Freien Schule zu gestalten. Sie müssen jederzeit bereit sein, sich und ihre Lebensweise mit Kindern anfragen zu lassen. Von den Aktivitäten der Eltern hängt der Erhalt der Schule bzw. des Schulbetriebes mit ab.